
Lange dachte man, dass das Verkaufsargument Megapixel bei den Endverbraucher keinen Effekt mehr erzielt.
Aber ist das wirklich so? Lassen sich die Fotografen noch immer damit locken, noch höher auflösende Bilder zu erstellen, noch mehr Detailreichtum zu erhalten?
Im Mainstreambereich sicherlich, da sich hier eben Leute eine Kamera zulegen, um mit wenig Aufwand “tolle” Bilder zu erstellen. Und die Kamerahersteller mit dem Argument werben, je mehr MP desto besser…
Aber nicht nur in diesem Bereich werden die Kameras mit immer höher auflösenden Chips hergestell. Nein, nun auch wieder im Semiprofi- bzw. Profibereich.
Ich spreche von der aktuellen Nikon-Neuigkeit: Der D800.
Aber ist das wirklich die Kamera, worauf die Zielgruppe gewartet hat?!?
Wenn ich hier von einer Zielgruppe schreibe, dann meine ich damit diejenige, die sich ernsthaft und ambitioniert mit der Fotografie beschäftigen. Und diejenige, die ihr täglich Brot damit verdienen.
Aber wer ist es nun im Falle der D800?
Hierzu schauen wir uns mal ein paar wichtige Spezifikationen dieser neuen Kamera an:
- Effektive Pixel=36,3 MP
- Sensorgröße= 24mm x 36mm (Vollformatsensor)
- Karten-Slots= 1x CF + 1x SD
- Viewfinder (FX)= 100%
- Schnellste Verschlusszeit= 1/8000sek.
- Serienbildaufnahme= 4 Bilder/sek.
- ISO= 100-6400
- Video= Full HD
Eine komplette Übersicht und Vergleich zu der D700 könnt ihr hier nachlesen.
Die D800 wurde ja sehr lange für den Nachfolger der D700 angepriesen. Aber ist das wirklich so?
Den vor allem wenn man diesen großen Sprung der Auflösung betrachtet (von 12,1MP der D700 auf jetzt 36,3MP).
OK, die D800 hat einen 100% Sucher, den ich kläglich schon immer bei meinen Nikon-Kameras vermisst habe und man hat nun die Möglichkeit Full HD-Videos zu drehen.
Aber soll das ein Upgrade sein oder ein Quantensprung?
Hier muss man sich nun fragen, für wen eigentlich die D800 geeignet sein soll.
Ohne auf irgendwelche Marketingsprüche zurück zu greifen denke ich mir, dass hier nur sehr wenige in Frage kommen.
- Werbefotografen
- Modefotografen
Warum gerade diese beiden Sparten?
Hier werden sehr oft Bilder vom Kunden gefordert, die eine sehr hohe Auflösung besitzen sollten. Vor allem, wenn das Endresultat in einen Hochglanzmagazin oder einem großen Poster dargestellt werden soll.
Es besteht auch die Möglichkeit, das Bild beim Postprocessing noch gut zu croppen, ohne einen großen Qualitätsverlust. Aber ich denke in diesem Segment sollte das eh nicht in Frage kommen, da man hier von Anfang an seine Bilder beim Shooting so gestaltet, wie sie im Endeffekt aussehen sollten.
Vorteil für diese Gruppe ist, dass sie im Gegensatz zu einer Mittelformatkamera ein sehr niedriger Anschaffungspreis in kauf nehmen müssen. Im Gegenzug erhält man sogar noch sehr hoch auflösenden Bilder.
Und dass auch die D800 sicherlich um einiges handlicher ist, als z.B. eine Mamiya kann hierfür ein Pluspunkt für die Entscheidung zu dieser neuen Kamera sein.
Des Weiteren sind auf einem 24mm x 36mm großen Sensor 36,3MP untergebracht. Im Gegensatz zur D700, auf dessen Sensor “nur” 12,1MP zur Verfügung stehen, stellt sich die Frage bezüglich des Rauschverhaltens. Hier kann man sicherlich davon ausgehen, dass die D800 auf Grund der Sensorkonstruktion nicht gerade das Rennen macht. Aber das ist ja wiederum bei der Zielgruppe kein Problem, da hier so gut wie immer mit Studioblitzanlagen fotografiert wird und daher keine High-Iso-Eigenschaften benötigt werden.
Für Sport- und Actionfotografen ist diese Kamera sicherlich nicht geeignet, da hier nur 4 Bilder/Sek. möglich sind. Da sollte dann doch eher z.B. zur D4 zurück gegriffen werden. Diese Kamera leistet sage und schreibe bis 11 Bilder/Sek.
Nicht zu vergessen ist das Datenvolumen, die eine D800 fabriziert. Eine Raw-Datei wird sicherlich knappe 50MB groß sein. Und wenn ich bedenke, man hat sich nun auf HDR oder Panoramen spezialisiert, kann man sich mit der Kamera auch gleich einen neuen High-End-Rechner zulegen, um diese Daten überhaupt mit einem gewissen Spaßfaktor bearbeiten zu können.
Was ich auch nicht an der Nikon-Politik verstehe ist, dass es von der Neuen zwei Varianten gibt:
D800 und D800E. Die mit dem “E” ist ohne Hochpasssfilter vor dem Sensor ausgestattet. Das soll dazu führen, dass man noch detailreichere und schärfere Bilder erhält. Aber benötigt das man wirklich? Wer hier im Raw-Format fotografiert sollte doch während der Entwicklung noch das letzte Quäntchen an Qualität aus den Bildern kitzeln können. Und macht die D800 ohne das “E” dann wirklich so schlechte Fotos?!?
Wer sich nun für die D800 entschieden hat, hat es sicherlich bei seiner Entscheidung nicht einfach, welche er sich kaufen sollte.
Und ob da sich Nikon nicht selbst ein Ei ins Nest legt? Ob das so clever war, soll sich die nächste Monate entscheiden.
Ein weiterer Punkt der mir missfällt ist, dass man zwar zwei Speicherslots zur Verfügung hat, aber für die eine benötigt man eine CF- und für die andere eine SD-Karte! Was hier der Sinn sein soll da philosophiere ich noch in einer ruhigen Minute darüber. Wenn ich mir Karten für meine Kamera zulegen, dann doch bitte sehr von ein und demselben Format und nicht verschiedene.
Und ist nun die D800 ein Nachfolger zur D700?
Meiner Meinung gibt es hierfür ein eindeutiges nein.
Die D700 ist eine sehr gute Kamera für den Semi- & Profibereich. Sie ist dank ihrer Spezifikation universell in fast allen erdenklichen Fotosparten einsetzbar. Vor allem zeichnet sie sich durch ein sagenhaftes Rauschverhalten aus, dass bei der Fotografie mit available light ihre Stärken ausspielt.
Die Zielgruppe ist hierbei nicht auf sehr wenige Bereiche ausgelegt, sondern kann universell eingesetzt werden.
Ich war persönlich aus sehr lange am überlegen, ob ich mir die D700 kaufe. Aber als ich mir diese vor knapp über einem Jahr zugelegt habe, war ich trotz der vielen Spekulationen um deren Nachfolger sehr froh. Jetzt würde ich mich darüber ärgern, wenn ich mich nicht dafür entschieden hätte.
Das waren meine persönliche Gedanken zur neuen Nikon.
Wie sieht es bei Euch aus? Was haltet Ihr von der neuen Kamera?
Werdet Ihr sie Euch zulegen? Und wenn ja, welche Grund gibt es für Euch?
Grüße Oliver
5 Antworten


Mittwoch, 21. März 2012 17:56
das ist ja alles ganz schön komplex was du da schreibst. in anbetracht all dieser aspekte bin ich echt froh, als ich damals meine kamera gekauft hab, einigermaßen was richtiges zu erwischen. ich frage mich allerdings oft, wie meine ergebnisse mit einer profikamera aussehen würden, ob ich überhaupt genug technisches know how hätte um da einen unterschied rauszuholen. irgendwann mal hätt ich gern nen neuen body, aber das wird schon spannend werden, an welchen parametern ich mich da dann orientiere. die megapixel sind es jedenfalls normalerweise nicht, die mich locken. nachdem ich die bilder auf 60×80 problemlos ausdrucken kann mit meinen 10kommairgendwasMP reicht das für mich.
Mittwoch, 21. März 2012 18:01
Danke für den Komment.
Gerne gebe ich Dir bei Gelegenheit Tipps, was Du bei Deiner “Traumkamera” beachten solltest.
Kannst Dich gerne melden, wenn es soweit ist
Dienstag, 1. Mai 2012 18:12
Wieder was gelernt, man merkt dass du dich sehr mit der Materie auskennst. Ich mache seit Jahren übrigens die gleiche Beobachtung wenn Bekannte sich eine neue Digicam kaufen. Das Hauptargument ist bei den Meisten einfach immer noch die Anzahl der Megapixel.
Donnerstag, 9. August 2012 9:39
… es ist ja erschreckend, wieviel Staub neue Kameras, egal von welchem Hersteller, aufwirbeln.
Mich erinnert das an die Hausfrauen, die im Porsche Cayenne zum Einkaufen fahren und das Ding am Ende nicht mehr eingeparkt kriegen
Für einen neuen Body gibts doch eigentlich nur zwei Gründe: funktionaler Defekt des alten oder massive Funktionseinschränkungen im täglichen Gebrauch, die das Nachfolgemodell behebt.
Alles andere ist Cayenne mit 38,123 Megapixel mit und ohne Tiefpassfilter.
Mittwoch, 10. April 2013 17:43
Hohe Megapixel sind kein Garant für gute Bilder, leider wird von der Industrie und dem (unbedarften) Handel immer wieder dieser Unsinn verbreitet. Seien wir mal ehrlich, für was taugen Megapixel jenseits der 12 Megapixel überhaupt noch, die meisten Kamerahersteller verwenden zu kleine Chips, hohes Bildrauschen ist unvermeidlich, das Rauschen wird kameraintern glatt gebügelt, die Bildergebnisse sehen meistens schlechter aus als zu Zeiten wo (Semi)Profikameras nur 5 – 8 Megapixel vorzuweisen hatten.
In Zeiten, wo Online Präsentationen stark zunehmen, halte ich den grenzenlosen Megapixel Kult einfach nur für blödsinnig, eine Rückbesinnung auf vernünftge Auflösungen auch im Hinblick auf Signal Rauschabstand sowie besseres Dynamikverhalten wäre sehr wünschenswert. Leider hat die Kamera Industrie den Blick für das Wesentliche verloren;-)