Wer mit dem Gedanken spielt, sich als Fotograf selbständig zu machen, muss hierbei einiges beachten.
Der Werbefotograf Jens Brüggemann hat hierzu ein Buch mit dem Titel “Beruf Fotograf” im Verlag mitp herausgebracht.
Es ist ein Leitfaden der einem aufskizziert, welche Hürden genommen werden müssen, um als angehender Fotograf erfolgreich zu sein.

Angefangen von der persönlichen Eignung als Fotograf, über die finanziellen und steuerrechtlichen Aspekte, bis hinüber zum Selbstmarketing und der eigentlichen Auftragsabwicklung.

Das Buch ist in 13 Kapitel aufgegliedert.
In den ersten Kapitel wird die persönliche Voraussetzung bzw. die Motive beschrieben, ob man für den Beruf Fotograf überhaupt geeignet ist.
Es werden Klischees aufgedeckt und was eigentlich dahinter steckt. Dies ist ein sehr interessanter Kapitel, da hier sicherlich vielen deutlich wird, dass es nicht immer ein Vergnügen ist, um als Fotograf auf dem Markt zu bestehen.
Darüber hinaus wird die finanzielle Lage betrachtet, die für die neue Karriere benötigt wird. Denn nicht nur am Anfang unterliegt man einen großen finanziellen Last, sondern während des gesamten Berufsleben.

Dann geht es weiter mit den Möglichkeiten, um den Weg in die Fotografie zu finden. Es muss ja nicht immer die klassische Berufsausbildung sein, um in ein Berufsfeld einzusteigen. Sowohl Quereinsteiger als auch die klassische Ausbildung ermöglichen einem diesen Weg.

Man muss sich auch am Anfang festlegen, wie man sich auf dem Markt positioniert bzw. welche Art von Fotografie man vermarkten möchte. Hierzu erhält man eine Gegenüberstellung diverser Sparten wie Stockfotograf, Portraitfotograf, etc. mit deren Vor- und Nachteilen.

Die weiteren Artikel beleuchten die Themen bezüglich Fotostudio, Equipment wie die Blitzanlagen und der Datensicherung. Letzteres wird ja im privaten Bereich oft zu nachlässig behandelt, was allerdings die Existenz kosten könnte, wenn man dies nicht als Berufsfotograf sehr ernst nimmt und sich hier eine entsprechende Datensicherungsstrategie überlegt.

“Unangenehme” aber sehr wichtige Themen wie die Behördengänge bzw. -Anmeldungen und zu welcher Genossenschaft und Kammer man eigentlich eingestuft/zugeordnet wird, werden auch angesprochen.

Jens Brüggemann zeigt auch auf, welche Marketingstrategie sinnvoll ist und wo man sie am besten einsetzen sollte. Hier hängt es natürlich auch sehr stark davon ab, ob man seine Dienstleistungen nur an einen Konsumer (B2C) oder an eine Firma (B2B) verkaufen möchte. Je nach Kunde gibt es sehr unterschiedliche Marketinglösungen.

Was auch jeder Berufsfotograf wissen muss, sind die rechtlichen Themen (Bild- und Nutzungsrecht). Ohne dieses Wissen verkauft man sich sicherlich zu günstig. Oft ist es ja der Fall, dass man eigentlich nicht nur das Bild verkauft, sondern den Nutzen.
Wichtig ist auch eine vertragliche Regelung, wenn Models zum Einsatz kommen. Dies muss auch vor jedem Shooting vertraglich geklärt werden, wer was im Endeffekt mit den Bildern machen darf und was nicht.
Hierzu findet man auch in diesem Artikel ein paar Musterverträge, die man nach seinen eigenen Bedürfnissen anpassen kann.

Hat man nun bis hierher alles richtig gemacht, steht dem ersten Auftrag nichts im Wege. Hier wird nun Schritt für Schritt die gesamte Auftragsabwicklung aufskizziert. Angefangen vom Angebot bis zum Mahnwesen.

Unter gewissen Voraussetzungen hat man als Selbständiger auch die Wahl, ob man Umsatzsteuern geltend macht oder nicht. Auch hierzu gibt es ein aussagefähiges Beispiel, ob man sich für oder gegen diese Methode entscheidet bzw. wann man es machen muss.
Was für jedes Unternehmen natürlich der wichtigste Aspekt ist, ist der Gewinn. Dieser muss dementsprechend auf Grund der gesamten Ein- und Ausgaben ermittelt werden.

Im letzen Artikel gibt Jens Brüggemann noch eine Aussicht auf den Berufszweig. Er schreibt hierbei sehr deutlich und ohne Schönrederei, wie er die kommerzielle Sicht sieht.

Als Bonus findet man im Anhang Erfolgsstories von diversen erfolgreichen Fotografen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Dies ist sehr interessant beschrieben, wie es bei diesen Fotografen angefangen hat und wo sie heute stehen.
Übungen zur Berechnung der Umsatzsteuervoranmeldung findet man auch noch, wie Verweise und Links zu Verbänden, Hochschulen und weitere nützliche Informationen.

Resümee:
Gestalterisch ist das Werk sehr übersichtlich und es liest sich flüssig ohne jegliches Fachchargon. Es sind auch jede Menge Bilder von Jens Brüggemann als Untermalung bzw. zur Auflockerung integriert.
Was auch sehr schön beschrieben wird ist, dass es bei Weitem keine einfache Aufgabe ist, als selbständiger Fotograf “zu überleben”. Jens Brüggemann weist des öfteren darauf hin, dass es jede Menge Fallstricke und große Herausforderungen zu überwinden sind, um sein Ziel zu erreichen. Es wird hier nichts durch die rosarote Brille betrachtet, sondern alles sehr realistisch und zeitgerecht dargestellt.

Wie schon im Untertitel erwähnt, ist es ein Leitfaden. D.h. dass die gesamte Thematik in diesem Buch auf Grund der Komplexität sehr oberflächlich gehalten ist. Man bekommt leider keinen tiefgründigeren Eindruck bzw. Tipps vermittelt, was die einzelnen Punkten betrifft.
Wer sich dafür entscheidet, sich als Fotograf selbständig zu machen, sollte dieses Buch als eine Art Checkliste hernehmen. Die einzelnen Punkte kann man sich dabei über ergänzende Bücher oder über diverse Internetseiten genauer unter die Lupe nehmen. Schon alleine die Überprüfung, ob sich die Selbständigkeit für jeden Einzelnen lohnt bzw. ob er damit überhaupt seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, kann man ein einziges Buch darüber schreiben. Als Stichwort sei hier z.B. erwähnt Rentabilität und Kostenrechnung.

Zum Abschluss möchte ich mich auch noch einmal bei bloggdeinbuch.de für die Bereitstellung dieses Werkes bedanken.

Buchinformationen
232 Seiten
Softcover
Verlag: mitp
Autor: Jens Brüggemann
Ausgabe: 1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8273-3068-0
Preis: 29,95€

Das Buch kann hier bestellt werden.

Kommentar abgeben:

© Oliver Heuschele Aktualisiert August 2011