Wer von Natur aus eine ruhige Hand hat, baucht sich meistens keine Sorgen machen, dass er verwacklungsfreie Bilder hinbekommt.
Es gibt allerdings viele Fotografen (mich eingeschlossen), die hin und wieder mal einen Tag haben, an dem man nicht gerade die Kamera in der Hand ruhig halten kann.

Aber was kann man dagegen tun? Ok, es gibt Stative, man kann sich evtl. irgendwo abstützen oder die Verschlusszeit wird so kurz gewählt, damit man keine unfreiwillige Unschärfe ins Bild bekommt.
Und wer sich glücklich schätzen kann besitzt eine Kamera mit integriertem Bildstabilsator oder die Objektive sind damit ausgerüstet. Hiermit wird die Verwacklungsgefahr minimiert oder sogar eliminiert.

Ist aber nun diese Technik wirklich sinnvoll oder ausgereift?

Sicherlich macht es Sinn eine Technik zu benützen, bei der man ca. 4 Blendenstufen geringer belichten kann, als ohne Bildstabilisator. Dies ist ein rein theoretischer Wert, den ich leider nicht durch Praxiserfahrung beweisen kann, da ich (noch) nicht so ein Objektiv besitze.
Gehen wir aber mal davon aus, dass diese Werte so stimmen. Was bringt mir das in der Praxis?

Nehmen wir mal an, Ihr fotografiert mit einem Objektiv mit 200mm Brennweite (Vollformatsensor). Es gibt nun einen Richtwert der besagt, dass die minimale Verschlusszeit der Kehrwert der Brennweite ist. Also in diesem Fall 1/200 sec. Ist man nun in einer Situation, in der diese Belichtungszeit aus irgend einem Grunde nicht mehr ausreicht, so besteht die Gefahr, dass das Bild auf Grund einer längeren Verschlusszeit nicht mehr scharf ist. Welche Rolle spielt nun hier der Bildstabilisator?
Durch ihn hat man nun die Möglichkeit, dass man eine Verschlusszeit in diesem Fall von 1/13sec. wählen kann. Und das ist schon frei Hand mit einer Brennweite von 200mm sehr lang.

Wie funktionieren nun die Bildstabilisatoren?
Um diese Thematik zu vereinfachen spreche ich nur über diejenige, die in den Objektiven eingebaut sind. Das ist auch bei den meisten Herstellern so, bis auf wenige Ausnahmen.
Ein Bildstabilisator ist nichts anderes als bewegliche Linsenelemente innerhalb eines Objektives. Hierbei wird mechanisch die Verwacklung des Fotografen in horizontaler und vertikaler Richtung ausgeglichen.
Hierzu könnt Ihr Euch hier ein kleines Video anschauen, in dem man diese Systematik sehr schön erkennt.

Welche Nachteile hat ein Bildstabilisator in einem Objektiv?
Zum einen ist es das Gewicht bzw. die Bauweise. Wie schon oben erwähnt sind es mechanische Elemente, die hier zum Einsatz kommen. Und jede Mechanik bringt eine gewisse Masse mit sich. Wer evtl. ein Objektiv mit Bildstabilisator besitzt kann dies sicherlich bestätigen, dass diese nicht gerade zur Fraktion der Leichtgewichte gehört. Und im Vergleich zu Linsen ohne Bildstabilisator sind diese auch deutlich “massiger”.

Des Weiteren ist eine Mechanik immer anfällig. Sobald Hardware aufeinander trifft besteht immer die Gefahr, dass diese früher oder später versagen kann. Die Hersteller setzen hierbei allerdings die neusten Technologien ein, damit dies eigentlich nicht vorkommen sollte. Das ist auch u.a. der Grund, dass diese Art von Objektiven auch nicht gerade preisgünstig sind.

Und was ist mit dem Biorhythmus?
Jede Situation, in der fotografiert wird, ist man doch in anderer körperlichen Verfassung. Man atmet evtl. schneller (z.B. während einem Spaziergang durch unwegsames Gelände) und dadurch hat man einen höheren Puls, man schwitzt und der Blutdruck steigt.
Wäre es nun nicht sinnvoll, wenn die Kamera und/oder das Objektiv dies bei den Kameraeinstellungen mit berücksichtigt?

Genau diese Umstände hat Nikon in ihrer aktuellen Entwicklung mit beachtet.
Sie haben hierzu lt. Nikon-Rumors ein aktuelles Patent entwickelt, bei dem die o.g. Randbedingungen mit Hilfe von Sensoren im Objektiv mit einbezogen werden. Man fasst dieses ja generell mit den Händen an und somit können auch sämtliche Werte mit übertragen werden.
Dies würde dann z.B. so aussehen, dass wenn man einen schnelleren Herzschlag hat, dies dann automatisch z.B. mit in die Verschlusszeit oder ISO mit eingerechnet wird.
Das Endresultat ist ein verwacklungsfreies Bild.
Dies kann man dann auch als s.g. humane Belichtungskorrektur bezeichnen :-)

Und welchen Vorteil hat man davon?
Der Vorteil liegt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand: Das Gewicht. Diese Sensoren sind sicherlich von ihrer Bauweise und Größe um ein vielfaches kleiner, als die bisherigen mechanischen Bauteile der herkömmlichen Bildstabilisatoren.
Somit ist auch das Objektiv kleiner und das Gewicht sinkt. Die Anfälligkeit bzw. der Verschleiss von Sensoren ist auch um einiges geringer, als die der Mechanik.

Nur Science Fiction?
Meiner Meinung nach wird dies die Zukunft der Bildstabilisatoren. Zum einen geht die Entwicklung von Objektiven immer mehr in die Richtung, dass Bidlstabilisatoren eingesetzt werden und ein weiterer Punkt ist, dass die Konsumer sich immer mehr dafür begeistern und auch den Aufpreis bezahlen.
Wenn dann auch die erwähnten Vorteile umgesetzt werden und dies sich positiv auf den Preis ausschlägt, dann kann ich das ganze voll und ganz befürworten.

Was meint Ihr dazu? Nur Zukunftsmusik oder evtl. bald Realtiät?

Grüße Oliver

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© Oliver Heuschele Aktualisiert August 2011